Die Fichte – keinen anderen Baum verbinde ich mehr mit Weihnachten, mit Nadelduft oder winterlichen Waldspaziergängen. Schon unsere Vorfahren verehrten die Fichte als Schutz- und Lebensbaum und nutzen die Pflanze in Heilkunde und Küche. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf dieses immergrüne Nadelgehölz zu werfen.

Heiße Fichten-Zitrone

Die Nadeln der Fichte enthalten unterschiedliche ätherische Öle (Bornylacetat, Limonen, Pinen, Camphen, Borneol), Harze, Flavonoide, Terpene, Gerbstoffe und viele Vitamine (vor allem Vitamin C).

Diese Inhaltsstoffe haben eine durchblutungsfördernde, keimhemmende, schleimlösende und abwehrstärkende Wirkung und können bei Infekten der Atemwege, grippalen Infekten, Schnupfen, Husten, Muskelverspannungen, Gliederschmerzen, Erschöpfung und rheumatischen Beschwerden eingesetzt werden.

Doch Vorsicht: Bei Keuchhusten, Asthma, Herzschwäche oder Bluthochdruck sollte man von der Verwendung absehen oder zuvor einen Fachmann zurate ziehen.

Heiße Fichten-Zitrone

Meine Heiße Fichten-Zitrone ist sehr schnell zubereitet und hat einen wunderbar zitronigen, nadelig-aromatischen Geschmack. Ein wohltuendes Getränk, das unser Immunsystem unterstützt und von innen heraus wärmt.

Heiße Fichten-Zitrone

Die Fichte lässt sich in der Küche unendlich vielseitig nutzen.

Fichtenaustrieb im Mai

Besonders im Mai haben die jungen, knallgrünen Fichten-Nadelspitzen (Maiwipferl) einen intensiv zitronigen Geschmack. Aus ihnen bereite ich meinen Fichtenspitzensirup zu, den man super zum Verfeinern von Saucen, Dressings oder Desserts weiterverwenden kann. Das Rezept bekommt ihr im Frühling von mir.

Auch Waldkekse, Fichtenspitzen-Eis oder Eton Mess “Delicious Tree” sind Frühlings-Köstlichkeiten, die so richtig nach Wald schmecken.

Fichten-Nadeln

Die ausgereiften Nadeln schmecken immer noch nach Zitrone, allerdings deutlich aromatischer „nach Nadelbaum“. Schmort doch einmal in einem deftigen Rotwein-Gulasch ein paar Fichten-Zweiglein mit, ihr werdet überrascht sein!

Die kleinen, roten, noch weichen weiblichen Zapfen, die bei älteren Bäumen im April/Mai erscheinen, geben Essig oder Likör eine besondere Note. Auch die ganz jungen, purpurroten männlichen Blütenknospen kann man zum Aromatisieren von Kraut oder deftigen Saucen verwenden.

Fichtenspitzen im Mai

Unbedingt beachten solltet ihr:

Die jungen Fichtenspitzen, Blütenknospen oder Zapfen dürfen nur von eigenen Bäumen geerntet werden. Nur im Einverständnis mit Förster oder Waldbesitzer darf man einzelne Zweige oder ein paar Fichtenspitzen älterer Bäume nehmen. Erntet nicht nur von einem Baum und nur so viel, wie ihr gerade benötigt. Und dann, um den Baum zu schonen, am besten von tiefen oder weiter innen liegenden Ästen.

Bei meinen Waldspaziergängen halte ich immer die Augen offen. Von frisch gefällten Bäumen nehme ich dann gerne ein paar Zweiglein mit.

Nun braucht ihr natürlich noch eine genaue Beschreibung der Fichte, damit ihr den Nadelbaum auch sicher erkennt…

Gewöhnliche Fichte (Picea abies)

Die Gewöhnliche Fichte (Picea abies), gehört zur Pflanzenfamilie der Kieferngewächse (Pinaceae). Sie bevorzugt lockere, humose, winterkalte Böden in feuchtem Klima. Man findet sie bis zu einer Höhe von 800 Metern.

Fichten können eine Wuchshöhe bis zu 60 Meter und ein maximales Alter von 600 Jahren erreichen.

Fichten

Die Krone freistehender Bäume ist meist kegelförmig. Die Äste sind in Etagen angeordnet, im oberen Bereich oft aufrecht, im mittleren waagrecht abstehend, unten schleppenartig durchhängend.

Rinde der Gewöhnlichen Fichte (Picea abies)

Bei jungen Bäumen ist die Rinde glatt und kupfrig bis rötlich braun, bei älteren graubraun mit rundlichen, sich am Rand aufbiegenden Schuppen.

Zweig mit Nadeln der Gewöhnlichen Fichte (Picea abies)

Das ganz typische Merkmal einer Fichte sind die starren, im Querschnitt rautenförmigen, spitzigen und stechenden Nadeln. Sicher kennt ihr noch den Merksatz aus der Grundschule: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht.“

Die Nadeln sind quirlig um die Zweige herum angeordnet. Sie sitzen an winzigen braunen Stielen. Beim Nadelabfall verbleibt der mit der Sprossachse verwachsene Blattgrund (das Blattkissen) am Zweig. Wodurch sich die Zweige ganz rubbelig anfühlen (das könnt ihr einmal testen). Auch das ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur Tanne.

Zapfen der Gewöhnlichen Fichte

Natürlich sind auch die hängenden Zapfen ein eindeutiges Merkmal der Gewöhnlichen Fichte. Sie fallen immer im Ganzen vom Baum. Die Tanne dagegen hat stehende Zapfen, bei denen die Achse (Spindel) des Zapfens am Baum verbleibt, während die Schuppen einzeln abfallen. Man kann also niemals Tannenzapfen am Boden sammeln.

Männliche Knospen der Gewöhnlichen Fichte (Picea abies)

Für die Spezialisten unter euch: Die Fichte ist eingeschlechtlich einhäusig. Das bedeutet, sie bildet (etwa alle drei bis vier Jahre) am gleichen Baum männliche und weibliche Blüten.

Die Blütezeit ist zwischen Mai und Juni. Aus den anfangs karminroten männlichen Blüten entwickeln sich die gelben Kätzchen. Die kleinen, saftigen, rötlich grünen weiblichen Zäpfchen brauchen ein ganzes Jahr, um sich in braune, holzige Zapfen zu verwandeln.

Fichten

Die rasch wachsende und vielseitig nutzbare Fichte ist neben der Kiefer noch immer die häufigste Baumart in Deutschland. Für die Forstwirtschaft ein wichtiger Holzlieferant, ein sogenannter „Brotbaum“. Doch leider bereiten dem Flachwurzler sowohl Klimaveränderungen als auch Borkenkäfer riesige Probleme. Hier wird noch einiges Umdenken und Handeln nötig sein…

Gewöhnliche Fichte (Picea abies)

Bei allen Sorgen um unseren Wald nun noch etwas Spannendes zum Thema Fichte: Wissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz haben letztes Jahr eine wirklich nachhaltige Methode entwickelt, um den teuren Aromastoff Vanillin aus Holzresten zu gewinnen. Aus 100 kg Fichtenholz entstehen in einem speziellen Verfahren 3 kg Vanillin, derart hochwertig, dass es als „natürliches Vanillin“ vermarktet werden darf.

Und tatsächlich – schnuppert an einem warmen Sommertag einmal am Stumpf eines frischgeschlagenen Fichtenbaumes – er duftet wirklich nach Vanille.

Mischwald im Dezember

Das war eine Menge Input über die Fichte. Ganz sicher werdet ihr sie nun eindeutig erkennen, oder?

Und nun zum Rezept…

Heiße Fichten-Zitrone

Heiße Fichten-Zitrone

Zutaten (für 1 Glas):

1 – 2 frische Fichtenzweige
1 Stückchen frischer Ingwer (ca. 1 cm)
Saft einer halben Zitrone
250 ml heißes Wasser
1 TL Honig

Heiße Fichten-Zitrone

Zubereitung:

Den frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden. Fichtenzweige und Ingwerscheiben mit heißem Wasser aufgießen und zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen. Zitronensaft und Honig dazugeben. Ein Fichtenzweig im Glas sieht hübsch aus und kann als zum Umrühren verwendet werden.

Heiße Fichten-Zitrone

Und schon ist er fertig, der heiße „Wald-Tee“. Er duftet wunderbar nach ätherischen Ölen, irgendwie nach Winterwald.

Ihr könnt ihn selbstverständlich auch mit Tanne oder Douglasie zubereiten. Tannennadeln finde ich persönlich beinahe zu würzig (sie schmecken sehr harzig und nach Kampfer). Douglasienzweige geben dem Getränk einen feinen Hauch von Orange.

Nun wünsche ich euch eine angenehme Restwoche und einen schönen vierten Advent.

Geht viel an die frische Luft und bleibt gesund!

Herzliche Grüße von

Regina

Disclaimer: Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Informationen sind sorgfältig zusammengetragen und recherchiert. Dennoch übernimmt der Anbieter dieser Webseite keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte. Die vorgestellten Hausmittel und Rezepturen ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Anwendung bei Babys, Kleinkindern, Kindern, Schwangeren und Menschen mit Vorerkrankungen sollte in jedem Fall unter ärztlicher Begleitung bzw. nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Nachmachen der Rezepturen und die Anwendung der Tipps geschieht auf eigene Verantwortung.